Teil 2: beim Functional Training steht die Bewegungsqualität an erster Stelle

Qualität vor Quantität

„Wird ein Bewegungsablauf in schlechter formaler Technik trainiert, so wird diese schlechte Aufführungsform mit dem Motorischen Programm abgespeichert. Übung alleine führt nicht zur Perfektion; nur perfekte Übung macht uns zum perfekten Sportler“ (Cook, 2011, S.22).

In diesem Zitat wird meines Erachtens ein zweiter, grundlegender Charakter von Functional Training erkennbar, die Bewegungsqualität. Wenn ich in der Einleitung geschrieben habe, dass Functional Training eigentlich nichts Neues ist, dann meinte ich damit vor allem die Übungen, welche dabei gemacht werden. Neu hingegen ist meines Wissens die Gegebenheit, dass nun stärker versucht wird zu umschreiben in welchem Rahmen artgerechte Bewegungsmuster stattfinden. Mehr zu dieser Thematik finden Sie u.a. im Kapitel 8 meines Textes ‚Beweglichkeit‘.

bewegungsqualität stretching mobility functional training

Gray Cook hat dazu den Functional Movement Screen (FMS) entwickelt, eine Testbatterie bestehend aus sieben Bewegungsmustern, welche auf sehr einfache (überschaubare) Weise die qualitative Ausführung dieser grundlegenden Bewegungsmuster bewertet:

  • O Punkte = Schmerz (Therapeut aufsuchen)
  • 1 Punkt = ungenügende Qualität (sollte durch geeignete Übungen korrigiert werden)
  • 2 Punkte = genügend (sozusagen der Mindeststandart)
  • 3 Punkte = optimale Qualität (nice to have)

„Ich sehe die oben genannten sieben Bewegungen nicht als Bausteine im Fundament funktioneller Bewegungen im Sport. Sie sind eher das formbare Material, aus dem jeder einzelne Baustein besteht. Diese Bewegungen verbinden alle Sportarten miteinander, weil sie die Grundvoraussetzung für jede menschliche Bewegung darstellen. Der grösste Fehler, der heutzutage in der Sportmedizin und im Konditionstraining begangen wird, ist eine zu frühe Konzentration auf sportartspezifische Bewegungen.

Meine Testreihe ist keineswegs ein in Stein gemeisseltes Gesetz. Sie ist schlicht und einfach eine Methode, um den grundlegendsten Aspekt menschlicher Leistung aufzuzeigen, nämlich die Fähigkeit zur freien Beweglichkeit“ (Cook, 2011, S.58).

Zusätzlich, und für mich persönlich wohl der wichtigste Aspekt des FMS, werden links-rechts Asymmetrien mit diesem Test aufgedeckt, um diese dann anschliessend zu beseitigen.

„Beim Functional Training handelt es sich um eine Trainingsform, mit der wir die Bewegungssymmetrie zwischen der rechten und der linken Körperseite herstellen und das Gleichgewicht zwischen Mobilität und Stabilität innerhalb des Körpers fördern können“ (Cook, 2011, S.72).

Mit diesem Test steht uns ein Werkzeug zur Verfügung, welches uns ermöglicht zu erkennen, ob der Getestete grundlegende Bewegungsdefizite aufweist, welche ihn daran hindern könnten optimale Bewegungsmuster auszuführen und er damit wohl auch einer erhöhten Verletzungsgefahr ausgesetzt ist.

Natürlich kann man sich darüber unterhalten, ob die durch den FMS vorgegebene Leitplanke für Bewegungsqualität für unsere Art so stimmig ist. Zumindest mir ist im Zusammenhang mit Gesundheitssport noch nichts Störendes an ihr aufgefallen und deshalb wende ich sie an.

Ähnlich scheint es auch die immer stärker wachsende Anzahl an Trainern und Physiotherapeuten zu sehen, welche diesen Test mittlerweile weltweit in ihre Programme integrieren.

Zu den anderen Teilen der Artikelreihe geht es hier:

Teil 1: Beim Functional Training werden Bewegungsmuster trainiert

Teil 3: Eine Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied

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