Kettlebell Workout

CrossFit – nur ein Trend oder sinnvolle Trainingsmethode?

Was steckt hinter CrossFit?

CrossFit wird in Deutschland immer beliebter und in den letzten Jahren ist die Anzahl der CrossFit Boxen (Studios) regelrecht explodiert. Fast monatlich macht eine CrossFit Box in Deutschland auf. Aber was steckt hinter dem Ganzen und geht es beim CrossFit nur darum sich bis zur vollkommenen Erschöpfung zu verausgaben, wie es so häufig scheint? Oder steckt mehr dahinter?

Die meisten, die CrossFit nur dem Namen nach kennen, es selbst aber noch nie ausprobiert haben, halten es für einen sehr riskanten Sport, bei dem es einzig und allein um maximale Herzfrequenz geht und darum, sich immer wieder anzutreiben, bis man sich übergibt. Als Sportwissenschaftler und Crossfitter, kann ich das nicht bestätigen, es sei denn, man hat einen schlechten Coach erwischt.

CrossFit kommt aus den USA und wurde in den 80er Jahren von Greg Glassman und seiner Frau entwickelt. Beide hatten den Anspruch ein Training so aufzubauen, dass nicht nur Kraft, Ausdauer oder Schnelligkeit trainiert wird, sondern möglichst alle Facetten der Fitness bei einer Einheit angesprochen werden. Das ist es, was das Training so besonders gemacht hat.

Weiterhin wurden die Workouts und die Zeiten dokumentiert, so dass man seine Leistung festhalten konnte. Zum ersten Mal wurde Fitness messbar gemacht.

Um allumfassend zu trainieren, verbindet CrossFit Elemente aus dem Gewichtheben, Turnen und dem Ausdauersport. So werden nicht nur konditionelle Fähigkeiten angesprochen, sondern auch koordinative Fähigkeiten trainiert.

Das tägliche Training (WOD = workout of the day) findet in einer Kleingruppe statt und die vorgegebenen Übungen werden auf das Leistungsniveau jedes einzelnen Athleten angepasst, so dass auch mal eine ältere Dame neben einem sehr gut trainierten jungen Mann steht. In einem normalen Fitnessstudio würden diese Menschen nie aufeinander treffen. CrossFit bringt Menschen zusammen, es findet ein Erfahrungsaustausch statt und es gibt keine Sportart auf der Welt, wo der Letzte bei einem Workout so gefeiert und unterstützt wird, wie beim CrossFit. Der Zusammenhalt in einer Box ist gewaltig und einzigartig.

Inwieweit unterscheidet sich das Training von einem normalen Fitnessstudio?

Der Unterschied ist sehr groß. In einem normalen Fitnessstudio zieht meistens jeder sein Programm mehr oder weniger alleine durch. Bei den Laufbändern und anderen Ergometern sind Fernseher aufgestellt, so dass man sich nicht auf das Training konzentriert, sondern eher vom Training abgelenkt wird. 95% der Fitnessstudiobesucher erreichen nie ihr Ziel, weil es nur Standardpläne gibt, um schnell einen großen Bizeps zu bekommen oder vermeintlich gute Ausdauer. Wenn man dann in einer Gruppe unter Leitung trainieren möchte, finden Kurse statt, wo auch mal zu Rush Hour-Zeiten 30 und mehr Teilnehmer auf dem Parkett stehen. Da muss man sich doch die Frage stellen, selbst wenn der Coach vorne die Kompetenz hat technische Fehler zu erkennen, wie soll man das bei 30 Leuten und mehr korrigieren oder das Training adäquat steuern? Die Antwort kann sich jeder selbst geben.

Deshalb sind die Mitgliedschaften in den CrossFit Boxen relativ teuer, weil die Qualität des Trainings im Vordergrund steht und die Kurse meistens auf 10-15 Leute limitiert sind. Die akribische Perfektionierung von Bewegungsabläufen auch unter einer Belastung sind eigentliche Schwerpunkte des Trainings in einer Box oder sollten es zumindest sein. Es ist klar, dass alles, was groß wird, auch nicht immer qualitativ hochwertig ist. Schwarze Schafe gibt es überall und deshalb sollte man erst verschiedene Boxen austesten, bevor man richtig ins CrossFit einsteigt.

Fazit

Eins ist klar, CrossFit ist anders. Jeder kann CrossFit machen, nur nicht jeder hat den Anspruch, an seinen Defiziten zu arbeiten. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und macht gerne Dinge, die er meint gut zu können. Bei CrossFit gibt es keine Routine. Jeden Tag gibt es einen anderen Schwerpunkt und die Workouts sind sehr vielfältig. Selbstverständlich geht man auch an seine Grenzen, aber so verlässt man die Komfortzone und lernt viel über sich selbst. Die Effektivität des Trainings und die Community sind gewaltig. Also probiert es aus und vertreibt euren Schweinehund. Oder habt Ihr schon Erfahrungen mit CrossFit gemacht? Was haltet Ihr davon? Sagt es mir in den Kommentaren!

Euer Alexej | Sportwissenschaftler & Inhaber CrossFit Überseestadt (Bremen)

5 Antworten
  1. elmar
    elmar says:

    In letzter Zeit bekommt CrossFit eine Menge negativer Presse. Richtig abgehen tun zum Beispiel die Jungs von Functional Patterns, die sich langsam auf CrossFit als die Quelle allen Übels und Leids auf der Welt einschießen. Das Ganze nimmt langsam religiöse Ausmaße an und man ist entweder DAFÜR oder DAGEGEN.

    Wie Du schon schreibst hängt aber alles am Coach und dem Programming und nicht an der Worthülse „CrossFit“. Es ist ein Riesenunterschied, ob Coach deine individuellen Ziele (nicht Jeder will zu den Games) oder ob Du nur WOD´s nachturnst.

  2. Peter Müller
    Peter Müller says:

    Schade, ich hatte von einem Sportwissenschaftler eine sachliche Differenzierung erwartet und was denn an CrossFit neu sein soll. Bisher konnte mur noch niemand von den CrossFit-Sportlern erklären, worin es sich von intensivem Zirkeltraining unterscheiden soll, dass schon in den 70ern in deutschen Schulen praktiziert wurde (nur jetzt ohne Pausen). Stattdessen nur oberflächliche Verkazfsplattitüden im Artikel.

    Etwas Neues gibt es allerdings: Das nervige Einfügen von Anglizismen um „cool“ zu sein. Ein squat ist halt dennoch nur eine tiefe Kniebeuge…

    Aber Spaß macht der Sport ja trotzdem. 🙂

  3. Fabien Mpouma
    Fabien Mpouma says:

    Hallo Peter,
    ich nehme es mir mal raus, dir auf deine Fragen zu antworten.
    Denn in ein paar Punkten stimme ich dir zu:
    Ja, Fitness-Sport kann unheimlich Spaß machen! Vor allem wenn er ganzheitlich und abwechslungsreich ist und in der Gruppe durchgeführt wird. Wobei wir auch schon bei deiner nächsten Anmerkung wären. So, oder so ähnlich wurde das schon früher im Breiten oder Leistungssport betrieben. Man bekommt tatsächlich das Gefühl, dass das gute alte Zirkeltraining ein Revival erlebt. Aber das ist doch nichts schlechtes?! Meiner Meinung nach hat CrossFit einen großen Beitrag dazu geleistet, functional fitness bekannter, und einer breiteren Masse zugänglich zu machen. Dennoch verstehe ich deine Einwände bezüglich der Vermarktung eines scheinbar nicht neuen Produktes. Ich denke, CrossFit möchte nicht Fitness neu verkaufen, sondern hat körperliche Fitness messbar gemacht. Somit sind Wettkämpfe und Leistungsvergleich möglich. Man darf nicht vergessen, dass es in diesem Fall um Hochleistungssport geht, der von professionellen Athleten betrieben wird. Ob es also für Anfänger oder Fitness-Neulinge geeignet ist, hängt ganz vom jeweiligen Trainer ab. Ich selbst habe auch schon CrossFit ausprobiert um mir ein Bild zu machen. Mir hat es viel Spaß gemacht! Jedoch behaupte ich von mir, dass ich über eine gute Grundlagenfitness verfüge und mit den Ansprüchen der Übungen und Workouts gut zurecht komme.
    Unterm Strich ist es wie Elmar schon sagte: Es hängt vom Coach, Programming, deinem Ausgangspunkt und deinen Zielen ab, ob CrossFit für dich Sinn macht!
    Sportliche Grüße

  4. Alexej Busiak
    Alexej Busiak says:

    Hallo Peter. Es ist nicht komplett was Neues. Dennoch ist ein Zirkeltraining, wie man es aus dem Schulsport kennt, etwas anderes. Bei einem Zirkeltraining hast du auch deine Belastungen, die aus vielfältigen Übungen zusammengesetzt sind. Aber war früher in Deutschland Kettlebelltraining oder Gewichtheben so populär? Kettlebelltraining ,wie ich finde, ist ein unersetzbares Tool ist im funktionalem Training. Wurden bei einem Zirkeltraining Resultate festgehalten, so dass man eine Progression feststellen konnte? Wie erkennst, dass du in bestimmten Bereichen besser gworden bist? CrossFit hat das erste mal Fitness messbar gemacht. So erkennt man ganz klar Defizite, die in diversen Bereichen vorliegen.

    Also einfach mal austesten ;-)! Beste Grüße, Alexej.

  5. Sascha
    Sascha says:

    Ein richtiges gute Buch über CrossFit, kann ich nur wärmstens empfehlen:

    Bzgl. Anglizismen: Manche dt. Begriffe sind einfach entweder kompliziert (Burpee ist schneller gesagt als „Liegestütz-Hock-Streck-Sprung“) oder aus der Mode gekommen, es sei denn man ist Turner. Erinnert sich noch jemand an die Zugstemme? Ahhh Muscle-up.

    In München gibt es übrigens eine CrossFit Box (Das Kraftwerk), die (wo es Sinn macht) nur deutsche Begriffe verwenden. Wenn man will, dann kann man auch…

    In diesem Sinne…
    Noch fünf Liegestütz-Hock-Streck-Sprünge, noch vier Liegestütz-Hock-Streck-Sprünge, noch drei Liegestütz-Hock-Streck-Sprünge, noch zwei Liegestütz-Hock-Streck-Sprünge noch ein Liegestütz-Hock-Streck-Sprung!
    Buck Furpees 😉

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