Functional Training 3 - Tom Schwendener

Teil 3: Eine Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied.

Eine Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied

„Bei vielen Trainings- und Konditionskonzepten liegt der Schwerpunkt auf der Maximierung der Stärken, sinnvoller ist es jedoch, die Schwächen anzugehen und an den Problembereichen zu arbeiten. Früher oder später werden die ignorierten Schwächen in Ihrem Alltag, Training oder Wettkampf zutage treten, eine Vernachlässigung Ihrer Schwachstellen ist also langfristig keine gute Idee“ (Cook, 2011, S.16).

Im Functional Training bilden artgerechte Bewegungsmuster die Basis. Functional Training ist aber natürlich mehr als nur ein Training der Bewegungsqualität. Nach Gray Cooks Motto ‚first move well, then move more‘, kommt auch die Quantität im Functional Training nicht zu kurz, nur welche Quantität sollte trainiert werden?

Ich durfte einmal einem spannenden Vortrag zum Thema‚ Trainingsdifferenzen zwischen Spitzenathleten und Durchschnittsathleten‘ zuhören und in diesem Vortrag hat der Referent darauf hingewiesen, dass beide Sportler nach dem Prinzip 80% zu 20% trainieren. Während allerdings der Spitzensportler ca. 80% seiner Trainingszeit dazu verwendet seine Schwächen zu verbessern und nur während ca. 20% an seinen bereits vorhanden Stärken herumfeilt, macht es der Durchschnittsathlet in etwa umgekehrt.

Ob diese Zahlen genau so zutreffend sind, ist bestimmt fraglich, ich denke aber dass das Grundprinzip des Spitzensportlers sinnvoll ist. Nach dem Motto‚ eine Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied‘ zu versuchen seine grössten Schwächen ins Zentrum der eigenen Trainingsgestaltung zu setzen, finde ich sehr sinnvoll.

Damit man allerdings seine Schwächen ins Zentrum rücken kann, muss man diese natürlich zuerst einmal erkennen und dann auch noch entscheiden, welche der erkannten Schwächen grundlegender ist bzw. zuerst verbessert werden sollte. Und genau dazu hat wiederum Gray Cook eine zweite, neben dem FMS, sinnvolle Leitplanke entworfen, welche uns im Zusammenhang mit optimaler Bewegung leiten kann, die optimale Bewegungspyramide:

Wie nicht anders zu erwarten, stellt die Basis dieser Pyramide funktionelle bzw. artgerechte Bewegungsmuster dar, welche eben mit dem FMS sinnvoll überprüft werden können. Wenn eine genügende Bewegungsqualität vorhanden ist, wird funktionelle Leistung trainiert. Je nach Sportart bzw. Zielsetzung werden hier andere Basiswerte gefordert. Und erst dann wird der Trainingsschwerpunkt auf sportartspezifische Fertigkeiten gelegt.

Ich denke diese Gewichtung in der Trainingsprogression ist sehr sinnvoll. Das natürlich gleichzeitig auf allen drei Stufen gearbeitet werden kann erscheint mir logisch, aber die Gewichtung in dieser Reihenfolge würde ich im Rahmen einer langfristigen Trainingsplanung so vornehmen. Und dass es wenig Sinn macht, bzw. gefährlich ist, Quantität auf mangelnde Qualität aufzubauen scheint mir, Gray Cook sei Dank, ebenfalls einleuchtend.

Am besten kann man sich meines Erachtens entwickeln, wenn man seine Schwächen kennt und dann entscheidet, in welcher Reihenfolge man diese Schwächen angehen sollte. Mit dem FMS und der optimalen Bewegungspyramide haben wir dazu meines Erachtens zwei sehr hilfreiche Tools im Zusammenhang mit physischem Training zur Hand, über deren Nutzung jeder individuell entscheiden darf.

Zusammenfassung:

Als kleines Resümee der drei gerade beschriebenen Aspekte käme somit in etwa die folgende Definition von Functional Training zustande:

Functional Training ist ein Konzept zur Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit. Nach dem Grundsatz; ‚eine Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied‘ werden Schachstellen im Bewegungsverhalten des Trainierenden eruiert und dann versucht diese zu beseitigen.

Aufbauend auf funktionellen Bewegungsmustern werden funktionelle Leistungsaspekte und sportartspezifische Fertigkeiten trainiert.

Die dazu verwendeten Übungen sind durch aktive, artgerechte und dreidimensionale Bewegungsmuster gekennzeichnet, welche neben den konditionellen Fähigkeiten immer auch die koordinativen Fähigkeiten miteinbeziehen und damit den Körper möglichst ganzheitlich fordern.

Zu den anderen Teilen der Artikelreihe geht es hier:

Teil 1: Beim Functional Training werden Bewegungsmuster trainiert

Teil 2: Beim Functional Training steht die Bewegungsqualität an erster Stelle

Quellen:

    • Cook, G. (2010). Movement. Functional Movement Systems: Screening, Assessment and Corrective Strategies. Aptos: On Target Publications. ISBN: 978-1-931046-72-5
    • Cook, G. (2011): Der perfekte Athlet. Spitzenleistungen durch Functional Training (2.Aufl.). München: Riva Verlag. ISBN: 978-3-86883-021-7
    • Tsatsouline, P. (1999). Power to the People.Russian Strength Training Secrets
    • For Every American. St.Paul: Dragon Door Publications. ISBN: 0-938045-19-9

 

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