Interview mit Dennis Siver, dem ersten deutschen UFC-Kämpfer

Dennis Siver gilt als einer der besten europäischen Mixed-Martial-Arts Kämpfer im Federgewicht und er ist der erste Deutsche Fighter, der bei der UFC einen Vertrag erhalten hat.

aerobis ist bereits seit längerem Partner des Ausnahmesportlers. Neben früherem Sponsoring haben wir Siver aktuell beispielsweise mit Functional Training-Equipment wie dem aeroSling ELITE Sling Trainer oder dem blackPack ESY S Sandbag ausgestattet. Am 20. Juni steht nun in Berlin sein nächster Kampf auf dem Plan. Diesmal steigt Siver gegen Tatsuya Kawajiri in den Käfig.

Wir haben nachgefragt, welche Rolle für ihn Functional Training spielt, welche Gedanken ihm kurz vor einem Kampf durch den Kopf gehen und was er von seinem nächsten Fight erwartet.

MMA enthält Elemente aus verschiedensten Kampfsportarten wie Ringen, Jiu-Jitsu, Karate oder, wie in Ihrem Fall, Taekwondo und Judo. Wie bekommt man das alles im Trainingsalltag unter? Beschränken Sie sich eher auf die Kampfsportarten, die Sie vor Ihrer MMA-Laufbahn schon aktiv betrieben haben, oder versuchen Sie, von allem etwas zu machen?

Dennis Siver: Ich muss mein Training sehr flexibel und Kampfsport-übergreifend gestalten. Alleine mit beispielsweise Judo kann man nicht mithalten. Wie der Name schon sagt – gemischte Kampfkünste – man muss in allen Aspekten gewappnet sein. Ich trainiere viel Ringen, Grappling und natürlich Standup.

Dennis Siver trainiert mit dem blackPack ESY S Sandbag von aerobis

Wie sieht ein Trainingstag bei Dennis Siver aus, wie sieht eine Woche aus?

– kurz vor einem Kampf?

Siver: Mindestens zweimal am Tag, 6 Tage die Woche.

– in „Ruhephasen“?

Siver: Hier gönne ich meinem Körper etwas mehr Ruhephasen, ich trainiere aber mindestens 3 Mal die Woche, zzgl. Cardio.

Wie lange dauert eine Vorbereitungsphase auf einen Kampf? Wie lange dauert die Regenerierungsphase danach?

Siver: Meistens ist für mich 8-6 Wochen vor einem Kampf die Hochphase, danach, je nach Kampfverlauf, kann die Regenerierungsphase natürlich sehr lange dauern, je nach Verletzung. Meist befinde ich mich aber schon wenige Tage nach dem Kampf wieder im Gym.

Functional Training (funktionelles Training) ist ein wachsender Sektor im Kraft- und Fitnessbereich. Wieso ist dieses Training auch für MMA so wichtig? Welches Equipment benutzen Sie, um sich auf die Belastungen und Herausforderungen im Octagon vorzubereiten?

Siver: Es ist ein brutales Ganzkörpertraining, wie MMA eben auch, und daher passt das Functional Training super zu unserem Sport. Ich integriere Functional Training meistens in ein Zirkeltraining und benutze Sandbags, Ropes, Kettelbells, Sling Trainer, Bälle und freie Gewichte.

Aus Ihrer Sicht: Warum ist Functional Training, oder MMA-typisches Training, nicht nur für Leistungssportler interessant?

Siver: Wer den ganzen Körper straffen möchte, bzw. fitter werden will, sollte gezielt trainieren. Hier finde ich das Fitnessstudio nur begrenzt geeignet, da man hier meist nur Maschinen zur Verfügung hat, um einzelne Muskeln zu trainieren, weniger den ganzen Körper.

Verfluchen Sie das Training manchmal und müssen sich ins Gym quälen? Bleibt neben Ihrem Training auch noch Zeit für andere Dinge am Tag?

Siver: Ich liebe meinen Job und bin dankbar für jeden Tag. Natürlich habe ich ein normales Sozialleben, allerdings mit Einschränkungen wie beispielsweise dem Essen.

Viele Kämpfer arbeiten auch als Trainer in ihren Gyms und geben ihre Erfahrung an junge Kämpfer weiter. Wie ist das bei Ihnen? Mit über 30 Kämpfen allein im MMA hat man sicherlich einiges weiterzugeben.

Siver: Ich selbst bin als Trainer tätig. Mir macht es riesigen Spaß, wenn ich den Fortschritt meiner „Jungs“ sehe.

Ursprünglich kommen Sie von Taekwondo, Kickboxen und Judo. Was hat Sie dazu bewogen den Schritt in den MMA-Bereich zu gehen?

Siver: Früher gab es nur MMA-Kämpfe auf Video. Als ich einen solchen Kampf zum ersten Mal gesehen habe wusste ich, ich möchte mich weiter entwickeln und bald in den Käfig steigen!

Was reizt Sie an MMA sportlich und persönlich?

Siver:Das Gefühl vor Tausenden in den Käfig zu steigen ist ein tolles Gefühl. Ich bin mit meinem Herzen dabei und mache den Sport nicht nur um Geld zu verdienen. Es macht mir sehr viel Spaß, auch wenn es für manche unvorstellbar ist, aber ich liebe es. Auch wenn viel Arbeit, Schweiß und Blut investiert werden muss.

Glauben Sie, dass man bestimmte Charakterzüge besitzen muss, um im MMA erfolgreich zu sein? Wem würden Sie raten MMA-Kämpfer zu werden? Welche Voraussetzung braucht man Ihrer Meinung nach?

Siver: Das kann ich so nicht sagen, es gibt Sportler, die sind sehr ehrgeizig und haben ein hohes Maß an Eigenmotivation. Ich denke, das ist wichtig um immer wieder volle Leistung zu bringen.

Dennoch kann ich nur Jedem zum MMA-Sport raten: Es ist ein geniales, spaßiges Training und ein super Ausgleich zum Job!

Sie waren der erste UFC-Kämpfer aus Deutschland und sind schon seit 2007 dabei. MMA ist in Deutschland aber immer noch relativ unbekannt. Was würden sie jungen, aufstrebenden Kämpfern raten, die es ebenfalls in die UFC schaffen möchten? Wie erregt man die Aufmerksamkeit von Dana White & Co.?

Siver: Natürlich muss man erst einmal auf kleineren Events kämpfen und sich beweisen. Wenn man dann in etwa 10 Siege hat und keine oder nur wenige Niederlagen, hat man eine Chance. Natürlich nur, wenn man auch gute Gegner besiegt hat.

Dann ist ein gutes, seriöses Management wichtig, was den Kämpfer vorantreibt und ihn zu 100% unterstützt, sodass sich der Kämpfer einzig und alleine aufs Training konzentrieren muss. Eine Medienpräsenz ist ebenfalls wichtig und mittlerweile ist der Grundstein in Deutschland gelegt. Die Bild-Zeitung ist Fan von MMA und das sagt schon alles!

Wie sind die Voraussetzungen für deutsche Kämpfer im Vergleich zu Ländern wie den USA, wo MMA schon einen anderen Stellenwert erreicht hat? Hat man in Deutschland einen „Standortnachteil“?

Siver: Nein, mittlerweile schaffen es auch deutsche Kämpfer international zu kämpfen. Früher war das anders. Mittlerweile ist es kein Nachteil mehr in Deutschland zu leben und zu kämpfen.

Was geht Ihnen kurz vor einem Kampf durch den Kopf?

Siver: Ich bin sehr konzentriert, weniger nervös, eher fokussiert und freue mich endlich in den Käfig zu dürfen.

Einige Kämpfer berichten davon, dass es ihnen hilft, Ihren Gegner regelrecht zu hassen. Wie ist das bei Ihnen? Im Octagon wirken Sie immer recht ruhig. Spielen Emotionen für Sie während eines Kampfes oder davor eine große Rolle?

Siver: Bei mir nicht. Natürlich hätte ich meinem letzten Gegner gerne eine Lektion erteilt [Conor McGregor, Kampf am 18.1.2015, Anm. d. Red.] , aber leider hat es nicht geklappt. Ich habe meine Emotionen gut im Griff und denke immer sportlich fair!

Am 20. Juni steht der Kampf gegen Tatsuya Kawajiri in Berlin auf dem Plan. Was erwarten Sie von diesem Kampf? Was erwarten Sie von sich selbst? Werden wir wieder Ihren berühmten Spinning Back Kick sehen?

Siver: Ein Kampf ist immer 50/50. Ein Schlag kann alles entscheiden, aber ich werde gut vorbereitet sein und alles geben und vielleicht landet auch ein Spinning Back Kick!

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg am 20. Juni in Berlin!

Siver: Danke Euch!

Lustigerweise war mein erster Kampf, den ich von ihm gesehen habe, genau der Kampf, bei dem aerobis ihn gesponsort hat, nämlich gegen Nam Phan im Dezember 2012. Zu der Zeit habe ich aber noch nicht bei aerobis gearbeitet und wusste gar nicht, dass die Firma überhaupt existiert… Was mich an genau diesem Kampf beeindruckt hat, war Sivers Kampfstil, der einfach extrem fließend war. Er hat den Kampf nach Belieben beherrscht und eine Kombination ansatzlos an die nächste gereiht, völlig egal ob Schlag- oder Trittfolge. Ich habe zu der Zeit noch nicht lang MMA oder die UFC verfolgt, aber der Kampf hat wirklich Eindruck hinterlassen. Seitdem schaue ich mir jede Veranstaltung an. Und ich arbeite bei aerobis. Für mich schließt sich da also ein Kreis.

Ich werde auch am 20. Juni vorm Fernseher sitzen und das Event in Berlin verfolgen. Ich drücke Dennis und allen anderen Kämpfern die Daumen, dass sie heil aus den Kämpfen herauskommen. Wie ist das bei Euch? Schaut Ihr auch (regelmäßig) UFC-Events oder verfolgt Ihr gar das Event in Berlin? Lasst es mich wissen im Kommentarbereich unter diesem Beitrag!

Sportliche Grüße,
Benjamin

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