Sport - Burnout - Andre Leisner

Sporttherapie bei Burnout

Das Phänomen: Burnout-Erkrankungen

Wer die heutigen Krankheitsstatistiken liest, stellt sich automatisch die Frage, ob die Menschen früherer Zeiten so etwas wie Burnout nicht auch kannten. Depressionen plagten schon die Menschen der Antike, wobei die Grenzen zur Traurigkeit fließend sind. Schwermut oder Melancholie nannte man das früher, ein häufiges Symptom bei den beschäftigungslosen Ehefrauen reicher Männer, aber auch bei Künstlern, beispielsweise Schriftstellern. Heilmittel sollten Poesie und Musik sein – Sport gehörte nicht dazu, er wurde damals nicht in dieser Form betrieben.

Sport bei Burnout

Mehr Bewegung für ein besseres Wohlbefinden

Dafür bewegten sich die Menschen früher viel. Das könnte ein Grund dafür sein, dass die meisten sich seltener schlecht fühlten. Wer eine Aufgabe zu erledigen hatte, musste beispielsweise viel zu Fuß gehen; eine Fortbewegungsart, die erst im letzten Jahrhundert für die Masse der Menschen an den Rand aller Bewegungsarten gedrängt wurde. Auch wenn es Kutschen, die Eisenbahn und Autos, bald auch Flugzeuge gab, so lief doch Otto Normalverbraucher häufiger zu Fuß oder nahm gelegentlich das Fahrrad. Heutzutage lässt allein die Vorstellung an einen weiten Fussmarsch die meisten beinahe schaudern und vorher würde erst einmal eine Outdoor-Ausrüstung gekauft werden.

Raus an die frische Luft

Doch Sportarten wie das Nordic Walken gelten gerade in jüngster Zeit als hervorragende Therapie für Depressions- und Burnout-Erkrankungen. Beim Gehen – auch lange Spaziergänge in flottem Tempo helfen – werden pro Schritt von den 720 Muskeln mehr als die Hälfte bewegt und dazu auch 200 Knochen und 68 Gelenke.

Raus an die frische Luft (© Halfpoint – Fotolia.com)

Es ist nicht nur eine sehr preiswerte, sondern auch gesunde Sache, die Mittagspause oder die Zeit nach dem Abendessen für einen Spaziergang zu nutzen. Eine halbe Stunde im Freien pro Tag regt außerdem  die Produktion des  wichtigen, körpereigenen Vitamin D an, das für die Knochen gebraucht wird. Gerade in den dunklen Wintermonaten ist jede Minute draußen sinnvoll, denn selbst das vermeintlich düsterste Tageslicht an einem nebel- oder wolkenverhangenen Tag ist immer noch heller als die meisten Arbeitsplätze oder ein Zimmer in den eigenen vier Wänden.

Ursachen eines Burnouts

Warum ein Burnout entsteht, können Sie in unserem Artikel „Burnout und Sport – eine Lösung?“ nachlesen. Permanente Überforderung beruflich oder privat ist ein Grund, das subjektive Empfind von Ausweglosigkeit ein weiterer. Erlernte Hilflosigkeit kommt hier ins Spiel ebenso eine genetische Veranlagung. Wo andere bei Problemen im Job wütend werden und vielleicht einfach kündigen, auch wenn die Zukunft ungewiss ist, verharren Menschen, die keine Lösung sehen, an alter Stelle und machen einfach weiter. Die Psyche streikt schließlich und damit auch der Körper. Beides hängt eng zusammen. Das wusste man bereits vor Jahrhunderten und inzwischen kommen auch unsere Schulmediziner darauf, sich den Menschen ganzheitlicher anzuschauen.

Beschäftigung als Ablenkung

Warum konnte aber ein Michelangelo seine Meisterwerke in einem ungeheuren Zeitpensum schaffen, das kaum Zeit zum Schlafen, geschweige denn für Mußestunden oder Urlaub ließ? Noch dazu unter körperlichen Bedingungen, die heute kein Arbeitnehmer bei uns mehr fürchten muss: Stunden ohne jede Pause auf dem Rücken oder der Seite liegend, meterhoch über dem Boden auf schmalen Gerüsten, mit dem Arm nach oben malend? Man kann sich das heute kaum noch vorstellen. Ein Eigenbrötler war er bekanntermaßen, aber ein Mensch mit Burnout war er nicht. Warum gerieten die Bauern und deren Frauen früherer Jahrzehnte und Jahrhunderte nicht alle in eine völlige Depression bei sechs bis sieben Arbeitstagen pro Woche und Tagewerk vom ersten Hahnenschrei bis nach Anbruch der Dunkelheit?

Sporttherapie bei Burnout (© contrastwerkstatt – Fotolia.com)

Sie waren weniger fremdbestimmt. Das ist eine der wichtigen Erkenntnisse moderner Untersuchungen. Menschen, die sich ihre Zeit frei einteilen und viele Dinge selbst bestimmen können, leben gesünder. Und natürlich gab es in unseren beiden Beispielen keine Frage zur Sinnhaftigkeit des Tuns. Michelangelo wusste, wer er war und was er tat, und die Landleute kannten keinen Müßiggang, vertrauten auf Gott und lebten den Alltag eine Stunde nach der anderen.

Und alle betätigten sich körperlich – womit wir wieder beim Thema Sport wären, denn wer heute nicht auf dem Bauernhof arbeitet oder ähnlich bewegungsintensive Jobs hat, sitzt meist viel zu viel am Schreibtisch.

Sport ist kein Allheilmittel

Es wird aber auch klar, dass Bewegung, also heute unser regelmäßiger Sport, kein Allheilmittel sein kann. Menschen in Pflegeberufen, die täglich viel laufen und körperlich schwer, fast zu schwer arbeiten müssen, sind massiv vom Burnout betroffen. Zeitdruck, das permanent hektische Hin und Her, das Gefühl, nie wirklich alles erledigen zu können, kaum richtig Zeit für etwas zu haben und dazu die Perspektive, dass dies ewig so weitergeht, kommen dazu.

Wer unter Depressionen und Burnout leidet, gehört zunächst in professionelle Hände. Das kann ambulant oder stationär geschehen und medikamentös unterstützt werden. Je nach Schwere lohnt die stationäre Aufnahme, weil sie Ruhe und Zeit vermittelt und praktische Alltagshilfe, vielleicht sogar Unterstützung bei neuen Wegen leistet. Einer davon ist der Sport. Kranke bleiben oft völlig unbeweglich, was die Sache schlimmer macht. Kommt der Körper in Bewegung, kann sich oft auch die Seele aus der „Verkrampfung“ lösen.

Eine sehr gute Wahl: Das Schwimmbad. Schwereloses Gleiten entspannt alle Gelenke. Übrigens gibt es auch Wasser-Entspannungstherapien. Parallel hilft Wellness aller Art, vor allem aber eine Antwort auf die Frage:

Was will ich wirklich?

1 Antwort
  1. Elmar
    Elmar says:

    10.000 Schritte am Tag war mal die Durchschnitts-Benchmark. Mit aktuellen Trackern für dein Mobiltelefon kannst Du deine Schritte am Tag sehr gut selbst messen… und dabei feststellen, dass Du von den 10.000 Schritten weit entfernt bist. Zumindest, wenn Du einen Bürojob hast!

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