Tutorial Thursday 47 - Fasten

Die vielen positiven Eigenschaften des Fasten

Eid mubarak!

Ab heute ist es wieder soweit: Für unsere muslimischen Mitbürger beginnt der Fastenmonat Ramadan. Aber ist das überhaupt gesund? Welche Arten des Fastens gibt es eigentlich und was muss ich dabei jeweils beachten?

Was es damit auf sich hat und wieso wir es verlernt haben Hunger zu haben, das sagt Dir der Tutorial Thursday.

Habt ihr schon einmal gefastet? Oder einfach nur mal eine Mahlzeit weggelassen?

Oder seid ihr sogar vielleicht gläubiger Muslime und zieht das jedes Jahr einen Monat lang durch?

Ich habe durch mein soziales Umfeld schon sehr früh erfahren, dass es Menschen gibt, die hungern obwohl sie es nicht müssten. Zahlreiche Muslime in meiner Klasse und im Freundeskreis ließen mich jedes Jahr aufs Neue staunen. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nichts zu trinken und zu essen schien mir unmöglich. Und es hat tatsächlich bis zu meinem 24. Lebensjahr gedauert, dass ich es mal ausprobiert habe.

Eine erste Erfahrung

Meine erste Erfahrung mit Fasten (dazu noch im Ramadan) ist schon ein paar Jahre her, hat aber großen Eindruck hinterlassen. Zwar war es nur für vier Tage und auch mit der Einschränkung, dass ich tagsüber Wasser getrunken habe, aber dafür im heißen Nordafrika während des Sommers. Das war ich wirklich nicht gewohnt. Ich denke, es ist ein riesiger Unterschied, ob man mit solch einer Tradition aufwächst und sich schon früh an die Bedingungen während des Fastenmonats gewöhnt, oder ob man seinem Körper erst nach einem Vierteljahrhundert ganz plötzlich dieser Aufgabe stellt. Und das auch noch unter nicht-heimischen Klimaverhältnissen.

Jedenfalls war es eine tolle Erfahrung. Was mir jedoch wirklich schwer fiel, waren die großen Mengen an Essen, die man sich traditionell abends einverleibt. Der Hunger des ganzen Tages isst da mit. Um dann für den Tag sozusagen vorzusorgen, sind wir auch morgens vor Sonnenaufgang aufgestanden, um noch einmal eine Mahlzeit zu uns zu nehmen. Da hatte ich aber überhaupt keinen Hunger, dafür haben die abend- und nächtlichen Exzesse gesorgt. Glaubt mir: was in einer wohlhabenderen tunesischen Familie während Ramadan aufgetischt wird, würde man heutzutage als Food Porn betiteln.

Tutorial Thursday 47 - Fasten - Fast Food kommt nicht von fasten
„Fast“ Food kommt nicht von „Fasten“

Gesund oder nicht?

Das ist auch der Moment an dem sich mir die Frage stellt: Ist das überhaupt gesund? Den ganzen Tag nichts essen und trinken, sich dann aber abends enorme Mengen an Nahrung reinhauen, von der ein Großteil aus Getreide, Honig und Marzipan besteht?

Aus physiologischer Sicht schickt man seinen Blutzuckerspiegel damit innerhalb kurzer Zeit einmal auf den Mount Everest und etwas später wieder zurück. Auch die Leber kann sich damit schnell überfordert fühlen. Nachdem Sie den Rest des Tages eigentlich Energiereserven in Form von Glykogen und Fett in verfügbaren Treibstoff für die Zellen umwandeln musste, soll sie jetzt schlagartig den umgekehrten Weg absolvieren. Die Bauchspeicheldrüse muss sehr viel Insulin auf einmal produzieren und der Magen-Darm-Trakt nach einem Strandurlaub innerhalb von ein paar Minuten wieder ans Fließband der Fabrik (und das ist wahrscheinlich noch schlimmer als der Wecker montags morgens). Jedoch sind dies alles Faktoren, die sich durch die Art der Nahrung und den Prozess der Nahrungsaufnahme selber beeinflussen lassen. Auch nach Sonnenuntergang sollten die Mahlzeiten gesund sein. Gemüse als Basis und ausreichend gesunde Fette und Proteine. So schießt der Blutzuckerspielgel nicht so stark in die Höhe und fällt danach auch wesentlich langsamer wieder ab. Auch sollte man nicht stopfen. Obwohl man sehr viel Hunger hat, sollte die Nahrung langsam gegessen und ausreichend gekaut werden. Das erleichtert es dem gesamten Verdauungstrakt und verbessert die Nährstoffaufnahme. Stark stärke-, zucker-, oder fruktosehaltige Lebensmittel sollten auch hier gemieden werden.

Grundsätzlich spricht also erst einmal nichts dagegen, die komplette Nahrungsaufnahme auf ein paar Stunden während der Nacht zu reduzieren. Zumal es sich nur um vier Wochen des Jahres handelt.
Bedenklich ist allerdings die fehlende Aufnahme von Flüssigkeit. Die meisten Experten und Wissenschaftler warnen vor dem Nichttrinken. Denn hierbei läuft man Gefahr auszutrocknen. Der menschliche Körper besteht zu rund 65% aus Wasser. Wasser ist an der Funktion jeder Zelle und zahlreicher Stoffwechselprozesse beteiligt. Besonders die Nieren melden sich schnell, wenn zu wenig Wasser vorhanden ist. Denn Sie müssen dann auf der Grundlage von wenig Flüssigkeit den Körper von Gift- und Abfallstoffen befreien, was ihnen zunehmend schwerer fällt.

Ich persönlich bin recht froh, dass sich mein Körper sofort meldet, sobald ich zu wenig trinke: Ich bekomme Kopfschmerzen! Das ist auch der Grund, warum ich mich damals dagegen entschieden habe auch tagsüber auf Wasser zu verzichten.

Meiner Meinung nach ist die Flüssigkeitszufuhr tagsüber schon enorm wichtig und sollte lieber nicht vernachlässigt werden. Vor allem in sehr heißen Ländern und bei stärkerer körperlicher Anstrengung.

Tutorial Thursday 47 - Fasten - Flüssigkeitsaufnahme ist sehr wichtig beim Fasten
Flüssigkeitsaufnahme ist elementar wichtig beim Fasten

Intermittierendes/Periodisches Fasten

Das intermittierende Fasten, oder auch periodisches Fasten genannt, beschreibt im Endeffekt das Weglassen einzelner oder mehrerer Mahlzeiten. Es kann zu jeder Jahreszeit durchgeführt und individuell gestaltet werden. Das Hauptziel dieser Art des Fastens ist es, den Stoffwechsel flexibel zu trainieren und ggf. Körperfett zu reduzieren.

Unser Stoffwechsel ist leider faul geworden. Die ständige Zufuhr von Nahrung lässt ihn häufig nur Kohlenhydrate zur Energiegewinnung nutzen. Je nachdem, wie die Mahlzeiten gestaltet werden, besteht sogar ein Überschuss an Kalorien. Warum sollte der Körper also den Fettstoffwechsel ankurbeln, wenn doch immer Kohlenhydrate im Übermaß zur Verfügung stehen? Lässt man aber nun eine oder zwei Mahlzeiten weg (mind. 12-15 Std- keine Nahrungsaufnahme), wird er gezwungen sich andere Stoffwechselwege zu suchen und/oder diese zu verbessern. Wichtig beim periodischen Fasten ist allerdings, dass diese Zeit variiert. Wenn man grundsätzlich immer das Frühstück ausfallen lässt, stellt sich der Körper nach ein paar Tagen darauf ein. Wie bereits oben genannt, ist aber das Ziel flexibel zu werden oder es zu bleiben. Genauso wie unsere Vorfahren es sein mussten. Denn schon während der Steinzeit gab es nicht regelmäßig Nahrung. Hier mussten teilweise Tage ohne etwas zu essen verbracht werden. Wenn dann wieder ein Büffel erlegt worden war, wurde sich aber eine Woche lang daran satt gegessen.

Ich persönlich baue periodisches Fasten regelmäßig in meine Woche ein. Denn es ist ein unglaublich effektives Tool um Körperfett zu reduzieren. Mein Tipp: Abends nach 18 Uhr nichts mehr essen, dann über Nacht fasten. Morgens nach dem Aufstehen erst einmal ein großes Glas Wasser trinken, danach 30 Min. moderat Sport treiben (Kraft/Ausdauer). Erst dann protein- und fettreich frühstücken.

Denn durch die Phase von 12-15 Std. ohne Energiezufuhr ist der Körper gezwungen schon an seine Reserven in Form der Kohlenhydratspeicher (in der Muskulatur und der Leber) zu gehen. Die Sporteinheit am Morgen sorgt dann dafür, dass der Körperfett zur Energiegewinnung verbrennen muss.

Tutorial Thursday 47 - Fasten - Fasten hilft dem Körper, Fett besser zu verbrennen
Mit Fasten lässt sich das eine oder andere Pfund zu viel schnell bekämpfen

Heilfasten

Das Heilfasten bildet die wohl radikalste der hier aufgeführten Formen des Verzichts auf Nahrung. Hierbei wird für eine bestimmte Zeit (meist zwei Wochen) komplett auf feste Nahrung verzichtet. Lediglich Getränke wie Wasser, Kräutertees und klare Gemüsebrühe sind erlaubt. Die Motivation ist in erster Linie eine gesundheitliche. Es geht darum, den Körper zu entgiften und zu entschlacken. Aber ebenso kann man mit dieser Methode Körperfett reduzieren. Wichtig hierbei ist allerdings sich ausreichend zu bewegen. Denn der enorme Energiemangel kann dazu führen, dass sich der Körper an Eiweißen zur Energiegewinnung bedient. Diese stammen dann aus körpereigenen Strukturen, vor allem den Muskeln. Wer Heilfasten betreibt nimmt in der Regel ab. Aber lasst es nicht die Muskeln sein!

Viele Leute, die diese Art des Fastens betreiben, nehmen zusätzlich auch noch Diuretika zu sich, um dafür zu sorgen, dass es während dieser Zeit zu einer kompletten Entleerung des gesamten Verdauungsapparates kommt. Quasi einmal auf Werkseinstellungen zurücksetzen bitte!

Ich befinde mich zufällig auch gerade in meiner ersten Phase des Heilfastens. Denn das Thema beschäftigt mich nun schon ein paar Jahre. Auch in den Medien stößt man immer wieder auf hitzige Diskussionen über Sinn und Unsinn dieser Methoden. „Aber wer mitreden möchte, der sollte es mal ausprobiert haben“, habe ich mir jetzt nun endlich mal gesagt.

Zwischenbericht: Vierter Tag – Ich fühle mich gut! Ich habe wirklich seit Sonntagabend nichts mehr gegessen. Natürlich habe ich hin und wieder mal sehr starken Hunger, aber ich komme super damit klar. Ich trinke viel mehr als sonst (was ein toller Vorteil ist) und habe trotzdem ausreichend Energie um meinen Arbeitsalltag, der aus Bürojob und Personal Training oder Outdoor Gym Training besteht, zu meistern. Verrückt! Das hätte ich wirklich nicht gedacht…

Aber was das Beste an der Sache ist: es ist horizonterweiternd.

Mir wird zur Zeit wieder mal einiges klar. Ich glaube die meisten Deutschen haben es verlernt Hunger zu haben! Im Zeitalter von Kühlschränken, Supermärkten und Imbissbuden ist Nahrung nun einmal immer verfügbar. Auch ich habe mich zu sehr daran gewöhnt etwas zu essen zu haben wenn ich Hunger hatte. Dabei ist es überhaupt nicht schlimm mal für ein paar Stunden Hunger zu haben. Klar, ihr werdet jetzt sagen: „Dann bin ich aber unausstehlich und habe schlechte Laune“! Ja aber wieso ist das so? Vielleicht weil wir verwöhnt sind.

Tutorial Thursday 47 - Fasten - In unserer modernen Welt ist der nächste Snack nicht weit
In unserer modernen Welt ist der nächste Snack nicht weit

Aber warum verzichten wir denn jetzt eigentlich?

Das ist eventuell auch ein Grund, warum es die verschiedenen Arten des Fastens überhaupt noch gibt. Hierzulande müssten die meisten Menschen auf nichts verzichten. Aber ein Großteil der Menschen weltweit schon. Auch unsere Vorfahren mussten vermutlich viel mehr und häufiger verzichten. Ein Leitsatz des Ramadan ist es schließlich derer zu gedenken, die nicht so viel haben. Auch in den vergangenen Tagen habe ich nochmal zunehmend wahrgenommen, dass es ein unglaubliches Privileg ist, Essen zu haben. Ich bin dankbar und habe Lebensmittel noch mehr respektieren gelernt. Und das nur nach ein paar Tagen! Verzicht lässt einen wieder mehr wertschätzen.

Die Christen haben eigentlich auch eine Fastenzeit von Aschermittwoch bis Karfreitag. Hier nehmen es sich auch viele zu Herzen auf irgendeinen Luxus zu verzichten. Süßigkeiten, Fernsehen oder shoppen. Das zeigt einem mal wieder, wie gut es einem eigentlich geht.

Fazit

Unterm Strich bleibt mir zu sagen: Egal aus welchem Grund, aus welcher Motivation oder über welchen Zeitraum man fastet, es ist auf jeden Fall eine tolle Erfahrung. Wenn man darauf achtet ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen und sich moderat bewegt, ist es auch überhaupt kein Problem. Denn richtig durchgeführt bietet es sogar enorme gesundheitliche Vorteile. Man gönnt seinen Verdauungsorganen ein Pause, zwingt den Körper andere effektive Stoffwechselwege zu nutzen und erweitert dabei auf jeden Fall seinen Horizont. Wie sieht es bei euch aus: Könnt ihr Hunger ertragen? Probiert es doch mal aus.

Nachdenklich,
euer Fabien!

2 Kommentare
  1. Hendrik Sakowsky
    Hendrik Sakowsky says:

    Hey Fabien,

    interessanter Artikel. Ich versuche mich grade im periodischen Fasten was auch sehr gut klapp. Ich versuche vor allem das Gewicht, das ich zugelegt habe seit ich aufgehört habe zu rauchen wieder los zu werden. Klappt gut. Ich lasse wechselnd Frühstück und Abendessen aus. Mein bisheriges Ergebnis sind 10 Kilo in 6 Wochen womit ich recht zufrieden bin.

  2. Fabien Mpouma
    Fabien Mpouma says:

    Hallo Hendrik,
    das klingt großartig! Auch ich streue es mindestens zwei mal pro Woche ein. Am liebsten verschiebe ich das Frühstück und lege vor der Arbeit eine recht intensive Krafteinheit ein. Es fällt mir auch überhaupt nicht schwer. Ich glaube wirklich, viele Menschen haben es verlernt einfach mal Hunger zu haben. Mach weiter so, und Du wirst nicht nur Gewicht verlieren, sondern auch gesünder sein!

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