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Tutorial Thursday 49 – Funktionell vs. Funktional

Funktionell… Funktional… Funktio-was??? Wie ist es denn nun richtig? Beide Begriffe fallen immer wieder im Zusammenhang mit Functional Training. Gibt es da überhaupt einen Unterschied, und wenn ja, welches Wort trifft denn nun auf das zu, was wir da so in unseren Trainingseinheiten praktizieren? Tutorial Thursday #49 versucht Licht ins Dunkel zu bringen.

Tutorial Thursday 49 - Funktionell vs. Funktional

Eine Wortdefinition

Sowohl funktional also auch funktionell haben denselben Wortstamm: Funktion! Es muss sich also bei beiden Wörtern um Adjektive handeln, welche Dinge im Zusammenhang mit Funktion beschreiben. Schaut man im Duden nach, erhält man Folgendes:

 funktionalfunktionell

BeschreibungDie Funktion betreffend, auf die Funktion bezogen, der Funktion entsprechendauf die Leistung bezogen, durch Leistung bedingt / die Funktion erfüllend, im Sinne der Funktion wirksam; das Funktionieren, die Funktionen betreffend, eine bestimmte Funktion habend
Beispiele
  • ein funktionaler (zweckmäßiger, von seiner Funktion her bestimmter) Stil
  • die funktionale (Sprachwissenschaft; an der sprachlichen Funktion der grammatischen Formen orientierte) Grammatik
  • funktionelle Gruppen (Chemie; Atomgruppen in organischen Molekülen, bei denen charakteristische Reaktionen ablaufen können)
  • nach funktionellen Prinzipien
  • etwas funktionell gestalten

(Quellen: http://www.duden.de/rechtschreibung/funktional, http://www.duden.de/rechtschreibung/funktionell, Zugriff am 25.06.2015)

Na prima, dann ist ja alles klar!

Tutorial Thursday 49 - Funktionell vs. Funktional 2

Trainiere dreidimensional: Lieber mehrgelenkige Übungen absolvieren!

Ein Erklärungsversuch

Oder doch nicht? Im ersten Moment klingt das nicht sehr verständlich, beziehungsweise klingen die Erklärungen relativ gleich. Ich versuche es mal anders zu beschreiben:

„Funktional“ hat immer den direkten Bezug zur Funktion. Es beschreibt ein Wort, einen Gegenstand, eine Herangehensweise, die zweckmäßig ist, oder beschreibt Eigenschaften, Aspekte oder Ähnliches, welche sich mit der Funktion selbst beschäftigen.

„Funktionell“ sind Dinge, die wirksam sind, die die gewünschte Leistung, Wirkung oder Folge erzielen. Es geht also in erster Linie um den Zweck. Hier wird Funktion im Sinne von „funktionierend“ verwendet.

Ihr merkt, mir fällt es auch nicht so leicht die beiden Begriffe klar von einander zu trennen. Dennoch macht es mehr Sinn von funktionellem Training anstatt von funktionalem Training zu sprechen, da funktionelles Training laut dem oben genannten Bezug zur Wirkung darauf abzielt, einen bestimmten Zweck zu erfüllen.

Was ist jetzt also funktionelles Training?

Im Endeffekt ist Dein Training funktionell, wenn die gewählten Übungen, Methoden etc. dazu dienen, Deine Leistung in der Zielbewegung, Zielaufgabe oder der entsprechenden Situation zu verbessern. Bei den meisten Menschen unserer Gesellschaft wäre dies der Arbeitsalltag und/oder alle weiteren alltäglichen Belastungen. Das Training dient hier quasi der Alltagsbewältigung. Das gleiche gilt natürlich auch bei Leistungssportlern, deren Alltag darin besteht, sportlich aktiv zu sein. Jedoch mit der klaren Vorgabe, in einer bestimmten Sportart die bestmögliche Leistung zu erzielen. Sofern nicht sportartspezifische Bewegungsabläufe trainiert werden – beispielsweise Kopfbälle beim Fußball – dann gilt es in erster Linie, mehrgelenkige Bewegungen zu optimieren und den Körper als Ganzes zu betrachten. Das funktionelle Training zielt dann, um bei unserem Beispiel zu bleiben, darauf ab, die Sprungkraft zu steigern, die Explosivität zu erhöhen und die Körpermitte zu stärken um in Zweikämpfen die nötige Durchsetzungskraft zu haben. Das sind dann häufig dreidimensionale Ganzkörperübungen oder zumindest Bewegungen, bei denen mehrere Muskelgruppen beansprucht werden.

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Functional Training beschreibt deshalb auch die Rückkehr zu den Wurzeln der natürlichen Bewegung. Im Mittelpunkt steht der menschliche Körper mit der Möglichkeit sich effizient und ökonomisch zu bewegen. Dies geschieht unter Miteinbeziehung aller Nerven, Muskeln, Sehnen, Bänder, Knochen und anderen involvierten Strukturen; eben des gesamten Körpers.

Bewegungen in Fitnessgeräten oder Maschinen sind meistens geführt, zweidimensional und häufig nicht alltagsnah. Sie sind laut Definition aber nicht automatisch unfunktionell! Wenn man jetzt zum Beispiel professioneller Bodybuilder ist, ist das Ziel, also die Funktion, einzelne Muskeln so gut wie möglich aussehen zu lassen. Das Training, welches dieser Funktion dient, besteht deshalb häufig aus Isolationsübungen mit Geräten oder Gewichten.

Hier gibt es natürlich jede Menge Diskussionspotential. Was sagt ihr? Was bedeuted funktionelles Training für euch?

Schreibt es in die Kommentare.

In diesem Sinne,
get functional!
Euer Fabien

5 Antworten
  1. Ben
    Ben says:

    Servus Fabien,

    echt schwieriges Thema. Da machen es sich die englischsprachigen einfacher mit „functional“ Ich denke wir sollte es dabei belassen. 😀

    schöne Grüße,
    Ben

  2. Jens
    Jens says:

    Toller Beitrag Fabien ,
    Und man könnte direkt die nächste Frage stellen, gibt es unfunktionelle Übungen?
    Bsp Klappmesser wurde einst als unfunktionell beschrieben, jedoch ist sie für ein Turner am Reck für den Kipp Aufschwung enorm wichtig.

  3. Carsten Wölffling
    Carsten Wölffling says:

    Grüße dich Fabien,
    In meinen Augen fördert und fordert Functional Training ganzheitliche Bewegungen, intermuskuläre Koordination (Zusammenspiel und Kommunikation der Muskulatur untereinander) und Effizienz. Und bei Effizienz tuen sich die Menschen schwer (wie wir erst letztens festgestellt haben): Die Intentionen von Bewegungen hat in der heutigen Zeit die Gewichtung verloren.
    Früher sind die Leute gelaufen, gerannt oder gesprinten da sie sonst keine Nahrung hatten oder hangelten an Ästen, da unter ihnen der Fressfeind schnaubte. Es war die Natur des Menschen gut zu funktionieren um zu überleben. Je Effizienter der Körper wurde, desto erfolgreicher war die Beschaffung von Nahrung und Überleben in der Natur.
    Wie schaut es heute aus: tagsüber schonen, sodass man in Studios Energie verbraucht, sodass man am Abend irgendwelche Makros in Form von Be* & Jerr*s in seinen Verdauungsapparat schaufeln kann (die Darmflora wird es schon richten) , Stark sein auf Teufel komm raus , da man mit einem dicken Bizeps viel besser einen Verletzen von der Straße heben kann….

    Letztendlich sind wir auf Effizienz gepolt, wir müssen nur unsere Natur akzeptieren, uns „artgerecht“ bewegen (.natürlich auch ernähren und leben). Und schon sind wir bei Functional Training.

    Viele sportliche Grüße aus Leipzig,
    Carsten

  4. Fabien Mpouma
    Fabien Mpouma says:

    Hallo Carsten,
    das sehe ich genauso wie Du. „Form follows Function!“ lautet die Devise.
    Heutzutage müssen sich aber viele Menschen nicht mehr effizient bewegen.
    Es gibt Stühle, Autos, Rolltreppen und das Internet. Viele Helferlein die
    es ermöglichen Tag für Tag so wenig Kalorien wie nötig zu verbrennen und
    Bewegungen im kleinstmöglichen Ausmaß vollziehen zu müssen.
    Aber so langsam findet ja ein Umdenken statt. Immer mehr Leute fragen sich
    wofür ihr Körper eigentlich gebaut wurde und trainieren in natürlichen
    Bewegungsmustern. Also funktionell.
    In diesem Sinne

  5. Fabien Mpouma
    Fabien Mpouma says:

    Hi Jens,
    das ist richtig. Viele Übungen sind als unfunktionell verschrien. Aber was ist im Endeffekt der Funktion dienlich?
    Je nach Zielbewegung des Sportlers, macht das Üben von Teilbewegungen absolut Sinn. Eine Kette ist nur so stark
    wie ihr schwächstes Glied. Dementsprechend kann es wichtig für einen Turner sein den Hüftbeuger zu trainieren.
    Ich bin da voll bei Dir!

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