Tutorial Thursday 51 - Helfer vermeiden

Vermeide kleine Helferlein, denn sie verdecken deine Schwachstellen beim Training

Vermeide Helfer! Oder wie Du das meiste aus Deiner natürlichen Stärke machst

Ich habe vor kurzem einen Triathlon absolviert. Einfach mal um zu spüren wie diese Art der Belastung so ist. Ich muss an dieser Stelle aber auch anmerken, dass es sich um einen Volkstriathlon mit der sogenannten Sprintdistanz handelte. Soll heißen: 500 m Schwimmen, 20 km Radfahren und 5 km Laufen. Für mich absolut machbar. Zumal ich mir überhaupt keine Vorgabe bezüglich der Zielzeit gemacht habe [man erinnert sich bürointern noch sehr gut daran, wie Du voller Überzeugung gesagt hast, dass Du den Triathlon auch gewinnen willst, Fabi…]. Viele meiner Mitstreiter allerdings schon. Ich kam mir wirklich zwischenzeitlich etwas fehl am Platz vor, da ich keinen Triathlon-Anzug (ein Einteiler, welchen man für alle 3 Disziplinen am Körper lassen kann), keine Kompressionsstrümpfe und vor allem kein 6000 € teures Fahrrad hatte.

Mein Kollege Flo, erfahrener Ausdauersportler, meinte im Voraus, dass richtige Triathleten für solch eine Sprintdistanz gar nicht erst aufstehen würden. Von wegen! Mensch, war ich unprofessionell…

Als ich dann auch noch zwei Teilnehmer sah, die einen Zeitfahrhelm auf dem Kopf trugen als sie ihre Carbonräder in die Wechselzone eincheckten, fiel ich komplett vom Glauben ab. Ist das euer Ernst? Für 2 Runden auf einer 10km langen Rundstrecke auf öffentlichen Straßen?

Naja, ich habe mir jedenfalls nicht den Spaß an dem Wettkampf nehmen lassen. Ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass dies nicht mein letzter Triathlon gewesen ist.

Tutorial Thursday 51 - Helfer vermeiden

Nun aber zum Thema:

Nicht nur beim Triathlon greifen viele Sportler auf diverse kleine Helferlein zurück. Kompressionsunterwäsche, myofasziales Taping und Bandagen erfreuen sich aktuell enormer Beliebtheit. Aber ist das unbedingt nötig? Braucht man diese Sachen wirklich für die optimale Performance, oder ist das eher ein Placebo oder gar ein Modegag?

Betrachten wir den von uns geliebten Kraftsport, fallen folgende 6 Helfer ein:

  • Gewichthebergurt
  • Gewichtheberschuhe
  • Magnesium
  • Kniebandagen
  • Wrist Wraps
  • Riechsalz

Tutorial Thursday 51 - Trainiere öfter mal barfuß

Und dann gibt es noch so spezielle Utensilien wie das Bankdrückhemd oder der Gewichtheberanzug aus dem Kraftdreikampf, auf welche in diesem Artikel aber nicht weiter eingegangen wird. Jedenfalls haben diese Helfer gewiss ihre Berechtigung auf dem Markt. Sie können unterstützen oder vorbeugen.

  • Der Gewichthebergurt hilft mehr Spannung im Rumpf aufzubauen, indem er den Bauchmuskeln einen Widerstand zum Gegenpressen bietet.
  • Gewichtheberschuhe bieten einen festen Halt und stützen den Fuß. Dies bietet mehr Stabilität bei der kurzen Sprung- und Landephase bei den olympischen Disziplinen. Außerdem ist die Ferse erhöht, sodass die Sprunggelenke nicht so mobil sein müssen. Es fällt leichter, die Knie und das Becken nach vorne zu schieben und somit den Oberkörper aufrechter zu halten.
  • Magnesium verbessert den Halt mit den Händen an der Stange, den Ringen oder der Hantel. Es sorgt dafür, dass sich nicht so leicht Schweiß bildet und der Griff dann nicht mehr aufrecht erhalten werden kann.
  • Kniebandagen haben eine stützende Funktion. Sie sind so konzipiert, dass die natürliche Streckung des Knies begünstigt wird. Es besteht also immer ein gewisser Drive in Richtung Extension, was helfen soll, schneller und besser aus der Kniebeuge hoch zu kommen. Außerdem stützen sie das Knie in der Frontalebene, das heißt in seitlichen Bewegungen, die ungewollte Scherkräfte hervorrufen können.
  • Wrist Wraps haben dieselbe Funktion wie Kniebandagen, nur am Handgelenk. Bei vielen Stützübungen oder drückenden Bewegungen befindet sich das Handgelenk in Dorsalflexion. Die Bandagen sollen es in dieser Position stützen.
  • Riechsalz soll aktivierend wirken und die Sauerstoffzufuhr verbessern. In der Vergangenheit wurde es gegen Ohnmachtsanfälle und Schwindel eingesetzt. Heutzutage findet man es eher selten. Es besteht meistens aus Hirschhornsalz, welches Ammoniumcarbonat enthält. Die Verwendung ist umstritten, da eine Wirksamkeit bisher nicht nachgewiesen ist.

Tutorial Thursday 51 - Im Haushalt hast Du auch keine Trainingshandschuhe an

Nun steht die Firma aerobis aber für funktionelles Training. Somit stellen wir uns die Frage: Wenn ich im Training Helfer benutze, kann ich dann auch im Alltag oder im Wettkampf die selbe Leistung bringen?

Es kann doch sein, dass unsere Muskeln, Sehnen und Bänder sich zu sehr an die Unterstützung gewöhnen. Oder vielleicht am meisten unser Kopf: Wenn sich zum Beispiel in meiner Denkweise manifestiert, dass ich gewisse Bewegungen nur mit einem Gurt, speziellen Schuhen und so weiter machen kann, könnte mich doch beim Weglassen dieser Helfer etwas bremsen.

Und das Ziel sollte eine komplette und ganzheitliche Gesundheit und Fitness sein. Es ist einfach nicht praktikabel, vor dem Heben des Sacks Blumenerde erst einmal den Gürtel der Jeans hochzuziehen und ihn enger zu schnallen (kann man machen, sieht dann aber komisch aus). Der Rumpf sollte immer stark genug sein. Egal bei welchem Gewicht. Es wäre unsinnig, sich jedes Mal, wenn man in die tiefe Hocke geht, erst einmal Schuhe mit enormer Sprengung und harter Sohle anzuziehen.

Besinne Dich auf Deine Wurzeln! Schau Dir Deinen Körper und seine anatomischen Möglichkeiten an, und Du wirst merken, dass man eigentlich keinerlei Helfer braucht. Die Natur hat Dir in der Regel alles mit auf den Weg gegeben. Natürlich kann es sein, dass Du Knieschmerzen hast und ohne Bandage kaum beugen kannst. Wie gesagt, die Helfer haben irgendwo ihre Berechtigung. Aber sie sollten niemals gesetzt sein! Finde heraus wieso Dein Knie schmerzt, bekämpfe die Ursache, arbeite Stück für Stück an der Mobilität und Kraft! Denn die Zielbewegung sollte immer so natürlich wie möglich sein. Ohne Helfer!

Tutorial Thursday 51 - Vertraue auf Deine natürliche Stärke

Für Dein Training heißt das konkret:

  1. Nutze nur so viel Gewicht, dass Du es ohne Gurt, Bandagen und spezielle Schuhe bewältigen kannst. Es sei denn, Du bist Leistungssportler im Kraftdreikampf oder Gewichtheben.
  2. Magnesium ist sicherlich legitim. Aber arbeite an Deiner Griffkraft, sodass ein guter Halt gewährleistet ist.
  3. Kräftige gezielt die gelenkumgebende Muskulatur von Fuß, Knie, Hüfte, Schulter, Ellenbogen und Hand. So hat dein Körper eine natürliche Stütze und braucht keine Helfer.
  4. Motiviere dich eigenständig und ohne fragliche Substanzen

Denn am Ende profitierst Du von natürlicher Stärke. Und Du sparst etwas Geld 😉

In diesem Sinne,
get functional!
Euer Fabien

2 Kommentare
  1. Ben Menges
    Ben Menges says:

    Hey Fabien!
    Sehe ich ähnlich! Beispielsweise Gewichtheberschuhe für den Normalo: Es hat einen Grund, warum du sie brauchst: Du bist immobil! Also arbeite doch erst mal daran oder verdienst du mehr Geld wenn du mehr Gewichte hebst?
    Außerdem finde ich Zughilfen auch nicht so sinnvoll. Ich mach ja auch kein Kreuzheben mit einem Trampolin als Boden, damit ich den Aufprall ausnutzen kann. Was mein Körper kann, soll er auch ohne Hilfen können.
    Klar, als Profi ist das natürlich wieder eine andere Sache!
    Gruß,
    Ben

  2. Fabien Mpouma
    Fabien Mpouma says:

    Genau,
    wenn Du gewisse Dinge nur mit Helfern schaffst, sagt Dein Körper Dir quasi worin Du schlecht bist.
    „Train what you suck at!“

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