Tutorial Thursday 46 – Klettern

Tutorial Thursday 46 - Klettern

Welche Arten der Fortbewegung gibt es eigentlich? Gehen, Laufen, Sprinten… Und dann hört es schon auf, oder? Nein! Wer einigermaßen regelmäßig diesen Blog liest, wird mit Sicherheit meinen Artikel über das Krabbeln wahrgenommen haben. Denn es gibt neben der Fortbewegung auf zwei Beinen noch mehr Möglichkeiten, denen man Aufmerksamkeit schenken sollte. Deshalb widmen wir uns heute mal dem Klettern.

Eine Frage der Gene

Klettern liegt uns in den Genen! Ja, ich weiß… Das sage ich zu vielen Bewegungsarten oder Verhaltensmustern. Aber es ist nun einmal so: Sofern Du nicht Anhänger des Kreationismus bist, wirst Du mir zustimmen, dass wir vom Affen abstammen und einen großen Teil unserer evolutionären Laufbahn auf Bäumen verbracht haben. Betrachtet man auch unsere Anatomie, müsste eigentlich deutlich werden, dass unsere Hände durch den opponierbaren Daumen dafür gemacht sind, fest zuzugreifen und uns hochzuziehen. Natürlich haben unsere nahen Verwandten beim Klettern ein paar Vorteile, da sie im Laufe der Geschichte auch ihren großen Zeh als Gegenspieler behalten haben.

Dennoch war es für den Menschen wichtig klettern zu können:

Hindernisse überwinden um an Nahrung zu kommen, irgendwo hochklettern um sich vor Gefahren zu retten oder den höchsten Punkt erklimmen um sich besser orientieren zu können – und das sind nur ein paar Beispiele der Vorteile dieser Fähigkeit.

Die verlorene Bewegung

Nun gut, heute müssen wir dies alles in der Regel nicht mehr tun. Unser Lebensraum ist soweit angepasst, dass man nicht zwingend klettern muss um sein Obst zu pflücken. Ich persönlich habe auch noch niemanden einen Muscle Up am Apfelbaum machen sehen. Ebenso lassen sich die meisten bedrohlichen Gefahren auch anders abwenden als durch das hastige Klettern auf den nächsten Laternenpfahl. Wenn ihr also nächste Woche zufällig jemanden auf der Bushaltestelle herumturnen seht, tut dieser das höchstwahrscheinlich aus freien Stücken (vlt. wird aber auch nur ein neuer Film mit Jason Statham gedreht).

Der Punkt ist, dass wir heutzutage nur noch sehr selten klettern und es dazu geführt hat, dass wir dieses grundlegende Bewegungsmuster heutzutage größtenteils verlernt haben. Komisch, denn als Kinder haben wir es noch geliebt! Auf den nächsten Baum klettern und vielleicht ein Baumhaus bauen oder das Klettergerüst des naheliegenden Spielplatzes unsicher machen, sind für die meisten Kinder tolle Beschäftigungen. Hoffe ich zumindest!

Tutorial Thursday - Klettern - Eine Bewegung, die uns in die Wiege gelegt wurde

Gegen den modernen Alltag

Denn nicht ohne Grund gibt es heutzutage vermehrt Studien und Veröffentlichungen über die motorischen Defizite der heranwachsenden Generation. Bewegungsmangel ist ein wichtiger Grund hierfür. Gerade in den Großstädten fehlen die besagten Kletterbäume fast gänzlich. Auch Spielplätze sind aufgrund von städtischen Sparmaßnahmen eher rar gesät und, wenn vorhanden, häufig heruntergekommen.
In den Großstädten muss es dann schon der Geburtstagsausflug in die Kletterhalle sein, um die Kinder für diese Art der Bewegung zu begeistern. Und hier zeigt sich schnell: Klettern ist anstrengend. Es gibt keinen Muskel, der bei dieser Art von Belastung nicht gefordert wird. Vor allem die Unterarmmuskulatur meldet sich schnell zu Wort. Ständiges Greifen und das Halten des eigenen Körpergewichtes ist für viele eine ungewohnte Herausforderung. Dabei wissen Kletterprofis längst, dass man möglichst viel aus den Beinen heraus arbeiten sollte. Hierzu muss man den Körperschwerpunkt allerdings nah an die Wand bringen. Eine Sache, die den Meisten schwerfällt. Denn wir wollen in der Regel immer sehen, was wir tun. Auch mit den Füßen.

Tutorial Thursday - Klettern - Klettern wie ein Comicheld

Aber dies führt dazu, dass wir unseren Körperschwerpunkt von der Wand weg halten. Das Resultat ist eine hohe Belastung auf den Oberkörper. Die Arme müssen also ständig den größten Teil des Körpergewichtes halten und hochziehen. Dabei befinden sich doch am Unterkörper die stärksten und leistungsfähigsten Muskeln. Ich habe zumindest noch nie jemanden nach einer Klettertour über Muskelkater in den Beinen jammern hören.

Geh öfter mal die Wand hoch!

Dennoch ist das Tolle am Klettern, dass man viel überkopf greifen muss. Hierbei verbessern viele Menschen ihre Beweglichkeit im Schultergürtel, weil sie die Schulterblätter unter Spannung nach außen-oben schieben, und sich komplett im Schultergelenk öffnen müssen. Die Unterarme habe ich schon abgesprochen, eine fester Griff und das Festhalten an sich werden im Alltag überhaupt nicht mehr trainiert. Zu diesem Thema habe ich ebenfalls schon einen Tutorial Thursday veröffentlicht, denn dieser Aspekt des Trainings sollte nicht vernachlässigt werden.

Zudem fördert die hohe Zahl an aktivierten Muskeln den Stoffwechsel. Die positive Belastung für den Rumpf verbessert die Haltung. Klettern ist also eine tolle Ganzkörperübung, die wir – egal in welcher Form – öfter machen sollten. Und Spaß macht es natürlich auch noch. Wann startest Du also Deine Steilwandtour?

So bereitest Du Dich auf eine Klettertour vor

Um Dich optimal auf die nächste Klettertour vorzubereiten solltest Du folgende Übungen machen:

  • Griffkraft
    Steigere deine Griffkraft zum Beispiel mit Captain Crush, sogenannten Griffkrafttrainern. Denn, wie bereits angesprochen, leisten die Hände und Unterarme beim Klettern enorme Arbeit.
  • Klimmzüge und Chin Ups
    Jede Zugbewegung von oben fordert die Rückenmuskulatur enorm und sollte geübt werden.
  • Rudern mit dem Sling Trainer
    Auch horizontale Zugbewegungen kräftigen die benötigten Muskeln.
  • Seitheben mit Kurzhanteln
    Das ständige Greifen überkopf und Strecken nach dem nächsten Halt geht ganz schön auf die Schultern. Bereite sie deshalb gut darauf vor!
  • Wadenheben
    Auch Wadenheben kann sehr hilfreich sein denn in der Steilwand setzt Du in der Regel nur die Zehen oder den Vorfuß auf. Auf Dauer eine anspruchsvolle Angelegenheit.

Get functional!
Euer Fabien

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